WAZ Recklinghausen, 26. März 2009

Keine Narben, keine Schmerzen

Operationen durch natürliche Körperöffnungen sind Thema einer Fachtagung am Klinikum Vest. Patienten für Live-OP gesucht

"Im Normalfall", so Professor Dr. Martin Büsing (48), Chirurgie-Chef im Klinikum Vest, Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, "gibt's keine Narbe." Und auch keine Schmerzen, im Gegenteil: Schon zwei Tage nach der Bauchoperation können die Patientinnen in der Regel nach Hause gehen.

Möglich macht das die NOTES-Technik, die seit Mai 2008 am Knappschaftskrankenhaus bei bestimmten Operationen im Bauchraum (Gallenblase, Magenverkleinerung) durchgeführt wird. NOTES steht für Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery und meint die endoskopische Operation durch natürliche Körperöffnungen wie Mund, After, Vagina. Ein hochaktuelles Thema, mit dem sich Fachleute beim 1. NOTES-Tag NRW (23. Mai, 9 bis 17 Uhr) im Knappschaftskrankenhaus befassen. Vorträge, Diskussionen und vor allem Live-OPs, per Video übertragen, stehen auf dem Programm. Für letztere sucht Büsing noch Patientinnen, bei denen eine Gallenblasenentfernung oder Magenverkleinerung ansteht.

Das Besondere an der NOTES-Technik, wie sie bisher am Knappschaftskrankenhaus eingesetzt wurde: Über den Bauchnabel wird ein optisches Instrument in den Körper eingebracht, die weiteren Operationsschritte erfolgen mittels spezieller Instrumente durch die Vagina. Der Zugangsweg zum Bauchraum führt dabei über das hintere Scheidengewölbe. Die Gallenblase kann dann zum Beispiel, verpackt in einem Kunststoffbeutel, durch die Vagina herausgezogen werden. "Es wird ein Weg genutzt, den man kennt aus der Gynäkologie", sagt Büsing.

Mittlerweile wurden am Knappschaftskrankenhaus, dessen Vorreiterrolle in NRW Büsing hervorhebt, 50 Operationen dieser Art durchgeführt. Darunter waren auch eine Blinddarm-OP und ein Fall, bei dem ein Magengeschwür entfernt werden musste. Weil sie das NOTES-Verfahren bevorzugten, sind Patientinnen schon aus Niedersachsen und Hessen in die Ruhrfestspielstadt gekommen. "Bisher hat es keine Komplikationen gegeben", betont der Chirurg.

Bei der Fortbildungsveranstaltung in Recklinghausen wird es zudem um die SILS-Technik gehen (Single Incision Laparoscopic Surgery). "Man macht bei Männern einen Schnitt am Bauchnabel und schiebt mehrere Instrumente durch die kleine Öffnung", erläutert Büsing. "Das haben wir hier in der Klinik ebenfalls schon ein paar Mal gemacht." Auch hier können sich noch Patienten für die Live-Operationen melden.

Nina Grontzki

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