WAZ Ruhrgebiet, 15. März 2002

Vorsorge gegen Darmkrebs kann Leben retten

Informationstag in Recklinghausen

Wenn es zwackt und schmerzt, ist schnell ein Arzttermin vereinbart - doch für Vorsorge nehmen sich viele keine Zeit. Für Vorsorgeuntersuchungen sensibilisieren soll der 2. Recklinghäuser Darmtag. 1000 Besucher werden erwartet.

Um den Dickdarm mit der stattlichen Länge von 1,5 bis 2 Metern geht's am Samstag, 16. März, in einem großen Zelt am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen, Dorstener Straße. Über Darmentzündungen informieren. ab 9 Uhr renommierte Fachärzte aus Recklinghausen, Dorsten, Witten, Herne, Bochum, Düsseldorf, Hamburg und Klagenfurt in Kurzvorträgen. "Schon beim ersten Darmtag im letzten Jahr ging es um Darmkrebs", so Thomas Kijak, Oberarzt der Chirurgischen Klinik, Abteilung für Physiotherapie. Der Eintritt zum Patienten-Arzt-Seminar ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Mit etwa 50 000 Neuerkrankungen jährlich ist der Darmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland. Rund 30 000 Menschen sterben pro Jahr. "Viele kommen erst, wenn sich schon überall Metastasen gebildet haben", sagt Kijak. Durch vorsorgende Tests, die nach Blut im Stuhl suchen, könnte die Erkrankung aber schon früh erkannt - und besser behandelt werden. Rund 90 Prozent der Todesfälle, schätzen Experten, könnten dadurch verhindert werden.

Die Veranstaltung ist fächerübergreifend angelegt. "Bei Darmentzündungen beispielsweise verändert sich auch das Hautbild, also wird auch eine Hautärztin referieren", so Kijak. Die Ursachen für Darmentzündungen sind nicht immer klar, Ausstülpungen des Dickdarms kommen gerade bei älteren Menschen häufig vor, entzünden sie sich jedoch, können sie sehr gefährlich werden, und "die Darmwand kann sogar platzen. Dieser Divertikulitis kann teils durch Ernährung vorgebeugt werden."

Unklar sind auch noch die Ursachen der chronisch entzündlichen Erkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Schätzungsweise leiden in Deutschland 300 000 Menschen an den Erkrankungen. Zunehmend sind auch jüngere Menschen zwischen 15 und 30 Jahren und Säuglinge betroffen.

"Der Bedarf an Aufklärung bei den Patienten ist groß!", sagt Kijak. Damit jeder Teilnehmer sich umfassend beraten fühlt, werden Zettel verteilt, auf denen Fragen formuliert werden können. "Die Referenten werden dann antworten. Außerdem möchten wir nach Möglichkeit anschließend alle Fragen schriftlich beantworten. Ebenso wird es Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen geben."

Diätberatung, Schließmuskeltraining, Informationen über den künstlichen Darmausgang, endoskopische Eingriffe, Risikofaktoren, Diagnostik - die Angebote des Darmtags sind breit gefächert. Sogar die Endokamera, eine Kapsel, die geschluckt werden muss und die auf dein Weg durch den Darm Aufnahmen macht, können sich Besucher ansehen.

Fürs nächste Jahr ist der dritte Darmtag in Planung. Er soll im Festspielhaus stattfinden.