www.br-online.de, Januar 2007

Beschneidung - Kleiner Schnitt mit großen Folgen

Wenn es um ihr "bestes Stück" geht, verstehen Männer keinen Spaß. Daher gehören Beschneidungen auch zu den sensiblen Themen. Was für männliche Juden und Muslime religiöse Pflicht ist, gehört hierzulande noch nicht zu den Routine-Eingriffen. Dabei können Beschneidungen aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll sein - und sollen sogar vor Aids schützen.

In der Türkei werden jährlich rund 1,5 Millionen Jungen aus religiösen Gründen beschnitten. In den USA sind es 60 Prozent der männlichen Bevölkerung, die routinemäßig aus hygienischen Gründen beschnitten werden. In Deutschland dagegen werden Beschneidungen eher aus gesundheitlichen Gründen durchgeführt: wenn beispielsweies eine Vorhautverengung Probleme beim Urinieren und der Erektion verursacht.
Doch mittlerweile kommt die Hälfte der jährlich rund 80 bis 100 Patienten von Martin Büsing, Chefarzt im Knappschaftskrankenhaus in Recklinghausen, nicht aus gesundheitlichen Gründen. Sie lassen sich aus ästhetischen Gründen operieren und müssen für den Eingriff 500 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. Dabei sind Beschneidungen bei Männern durchaus sinnvoll.

Viren- und Aidsschutz

Unter der Vorhaut können sich leicht Bakterien und Viren sammeln, die bei fehlender Hygiene zu Infektionen führen können. Betroffen sind davon dann nicht nur Männer, sondern auch ihre Partnerinnen: denn ein unbeschnittener Penis überträgt leichter Viren als ein beschnittener. Beschneidungen verringern bei Männern die Gefahr deutlich, an Peniskrebs zu erkranken. Bei Frauen sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Gebärmutterhalskrebserkrankung.
Internationale Studien haben zudem gezeigt, dass Beschneidungen auch vor Aids schützen können: Die Ansteckungsrate mit HI-Viren sinkt bei beschnittenen Männern um 60 Prozent. Laut dem Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) ließen sich binnen zehn Jahren zwei Millionen neue HIV-Infektionen und etwa 300.000 Todesfälle verhindern, wenn sich alle Männer in Afrika beschneiden ließen. Deutsche Experten halten hierzulande gründliche Hygiene und Kondome bei häufig wechselnden Partnern für vollkommen ausreichend.

Die Zirkumzision

Beschneidung
Die Zirkumzision oder Beschneidung ist ein kleiner operativer Eingriff, der ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt wird. Kinder sollten narkotisiert werden. Bei der Beschneidung wird die Vorhaut des Penis ganz oder nur zur Hälfte entfernt. Diese wird beim Eingriff mit zwei zangenartigen Klemmen gespannt und unter lokaler Betäubung abgetrennt. Anschließend wird die Wunde zugenäht und ein Verband angelegt. Die Wunde heilt gewöhnlich in zehn bis 14 Tagen. Nach zwei bis drei Monaten sollten keine Beschwerden mehr bestehen.

Beschneidung bei Frauen
Weibliche Beschneidungen, die vor allem in afrikanischen Staaten wie Somalia praktiziert werden, setzen Experten mit einer Verstümmelung gleich. Wenn beschnittene Mädchen nicht durch den unhygienischen Eingriff sterben, haben sie danach ihr Leben lang massive Probleme beim Wasserlassen und dem Geschlechtsverkehr - Infektionen inbegriffen.

Quelle: www.br-online.de

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