Übergewicht - Adipositas
von Prof. Dr. Martin Büsing
Endoskopische und operative Behandlungsmöglichkeiten
In der westlichen Welt stellt sich krankhaftes Übergewicht (morbide Adipositas) zunehmend als Problem heraus. So waren in Deutschland bereits 1998 25% der Bevölkerung als fettleibig zu bezeichnen, 40% wiesen ein mäßiges Übergewicht auf und lediglich 35% der Erwachsenen waren normalgewichtig. Die Weltgesundheits-organisation (WHO) hat bereits 1997 die morbide Adipositas als Krankheit anerkannt.
Bis zum Jahr 2030 wird mit einer Verdoppelung dieser Zahlen gerechnet. Als besonderes Problem ist die Tatsache anzunehmen, dass der Anteil an übergewichtigen bzw. fettleibigen Kindern und Jugendlichen ernorm zunimmt und hieraus für die kommenden Jahrzehnte eine erhebliche gesellschaftliche und gesundheitspolitische Problematik auf uns zukommt.
Der Schweregrad des Übergewichts wird International nach dem so genannten Body-Mass-Index (BMI) berechnet. Die Berechnung lässt sich mit einem so genannten BMI-Rechner leicht aus dem Quotienten von Körpergewicht in Kilogramm und der Körpergröße (Oberfläche) bestimmen.
Bei einem Wert über 25 liegt Übergewicht vor, ab einem Wert von > 30 kann von einer morbiden Adipositas (Grad I-III) gesprochen werden. Als ein weiteres Maß für ein besonderes Gesundheitsrisiko kann eine am Körperstamm betonte Fettansammlung angesehen werden. Entsprechend werden der hohe Bauch- und Taillenumfang mit in die Beurteilung einbezogen.
Die Ursachen eines massiven Übergewichts sind ohne jeden Zweifel auf eine fehlerhafte Ernährung mit zu hoher Energiezufuhr und einem gestörten Essverhalten zurückzuführen. Hinzu kommt eine unzureichende körperliche Bewegung, sei es in Beruf oder Freizeit.
Schätzungen zur Folge ist der Energieverbrauch pro Kopf durch körperliche Bewegung in den letzten 5 Jahrzehnten um etwa 500 Kilokalorien pro Tag gesunken, dieser Umstand wird bei der täglichen Ernährung nur unzureichend berücksichtigt.
Erblich bedingte Faktoren spielen sicher auch eine Rolle in der Adipositasentwicklung, diese Faktoren kommen allerdings nur bei einer zu hohen Kalorienzufuhr tatsächlich zum Tragen.
Die Folgen der krankhaften Fettleibigkeit sind vielfältig und stellen neben dem Nikotinmissbrauch die wichtigste Ursache für einen vermeidbaren, vorzeitigen Tod dar. Im Langzeitverlauf sind Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Gicht, Bluthochdruck, Herzschwäche, Schlaganfall, "offene Beine", Schlaf-Apnoe-Syndrom, Gallensteinleiden sowie Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen die häufigsten Folgen. Inzwischen gilt allerdings auch als gesichert, dass verschiedene Krebserkrankungen bei adipösen Menschen ebenfalls gehäuft zu verzeichnen sind.
Neben den allgemeinen Maßnahmen wie Bewegungstraining, Schulungsmaßnahmen zur bewussten Ernährung und Reduzierung vermeidbarer Kalorien treten endoskopische und operative Maßnahmen zunehmend in den Vordergrund. Nach den Empfehlungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft sollten bei einem BMI von > 30 solche Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Wir unterscheiden dabei Maßnahmen, die eine Volumenreiche Ernährung erschweren (restriktive Maßnahmen) von Maßnahmen die zu einer verminderten Nahrungsaufnahme durch den Magen-Darm-Trakt (malabsorptive Maßnahmen) führen.
Unserer Erfahrung nach kann den meisten Patienten mit einer Adipositas Grad I und Grad II mit relativ einfachen Methoden wie dem Magenballon und dem Magenband entscheidend geholfen werden. Andere Verfahren, wie der Magen- oder Darmbypass (malabsorptive Verfahren) sollten den schwersten Fällen der Adipositas Grad III vorbehalten bleiben.
Beim Magenballon handelt es sich um eine endoskopische ambulante Behandlung, die einer Magenspiegelung (Gastroskopie) sehr nahe kommt. Zunächst wird der Magen tatsächlich gespiegelt um hier Begleiterkrankungen, wie ein Magengeschwür auszuschließen. Anschließend kann der nicht entfaltete Kunststoffballon wie eine Magensonde eingebracht und mit Flüssigkeit unter endoskopischer Sicht gefüllt werden. Wir wählen dabei ein Ballonvolumen von 500 - 700 ml und belassen den Ballon für 6 Monate im Magen, danach muss erneut eine Magenspiegelung zur Ballonentfernung vorgenommen werden. Innerhalb der ersten Woche ist mit erheblichen Beschwerden in Form von Magenkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen zu rechnen. Es müssen begleitend Medikamente zur Linderung dieser Beschwerden und zur Reduzierung der Säureproduktion des Magens verabreicht werden. Nach dieser Zeit beruhigt sich der Oberbauch und es kommt durch das rasch einsetzende Sättigungsgefühl zu einer deutlich verringerten Nahrungsaufnahme und konsekutiv zum Gewichtsverlust. Unserer Erfahrung nach können 90% der Patienten mit einer erheblichen Gewichtsreduktion von im Durchschnitt 20 - 30 kg rechnen. Unser Spitzenreiter erreichte binnen 6 Monaten einen Gewichtsverlust von 70 kg! Selbstverständlich gehört zu der endoskopischen Balloneinpflanzung eine Ernährungsberatung und ein gezieltes Bewegungstraining, das oft erst nach dem einsetzenden Gewichtsverlust möglich wird. Wir beobachten regelmäßig, dass die bestehenden Begleiterkrankungen sich erheblich abschwächen, oder ein ggf. bestehender Diabetes mellitus infolge der Gewichtsreduktion völlig verschwindet.
Ein dauerhaftes Ergebnis der Gewichtsreduktion und die Vermeidung des so genannten Jojo-Effektes setzt allerdings eine ernorme psychische Stabilität voraus, denn "Abnehmen beginnt nun mal im Kopf". In manchen Fällen wird allerdings eine Folgemaßnahme, wie eine Magenbandimplantation unumgänglich sein.
Bei der Magenbandimplantation wird in Vollnarkose ein verstellbares Band um den Mageneingang herum gelegt. Die Operation wird in so genannter "minimalinvasiver Technik" durchgeführt und ist praktisch nicht belastend. In den meisten Fällen können die Patienten bereits am 1. Tag nach der Operation wieder nach Hause gehen. Der besondere Clou besteht in der Verstellbarkeit des Magenbands, so dass "von außen" die Einschnürung des Mageneingangs im Laufe der Zeit angepasst werden kann. Lediglich ein kleiner Bezirk des Magens ist direkt für die Nahrung erreichbar und es kommt sehr rasch zu einem Sättigungsgefühl. Die Nahrung muss stets gut gekaut werden und es sollte auf schwerverdauliche Faserbestandteile, wie sie z. B. in Orangen und Brokkoli vorkommen, verzichtet werden. Ferner sind kohlensäurehaltige Getränke als Tabu anzusehen, da die Gasblähung des so genannten Vormagens hier zu Verletzungen führen könnte. Wenngleich das Band grundsätzlich im Rahmen einer erneuten Operation entfernbar ist, wird es doch auf Dauer angelegt und kann zeitlebens verbleiben. Wie bei allen anderen Methoden auch, ist der feste Wille zur Gewichtsreduktion und die Mitarbeit des Patienten unverzichtbar. Jede, auch noch so an sich erfolgreiche Methode ist ohne diese Unterstützung zum scheitern verurteilt.
Mit den genannten Methoden wie Magenballon oder Magenband liegen inzwischen umfangreiche Erfahrungen vor, die eine hohe Effektivität in der dauerhaften Gewichtsreduktion bei morbider Adipositas belegen. Dies gilt auch für die hier nicht näher ausgeführten Bypassverfahren, die m. E. nur den schwersten Fällen vorbehalten bleiben sollten.
Zunächst sollte jeder Interessierte zunächst einmal die Einsicht entwickeln, dass es "so nicht weiter geht" und er bereit ist, einen radikalen Schnitt zu wagen. Umfangreiches Informationsmaterial und in der Regel eine kostenlose Beratung erhalten Sie vom Spezialisten.